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Tierschutz | Was versteht man unter einer Notschlachtung?

Erläuterung am Beispiel Rind
Üblicherweise werden Rinder, die zur gewerblichen Schlachtung abgegeben werden, per Viehtransporter an einen zugelassenen Schlachthof gebracht. Dort führt ein amtlicher Tierarzt eine sogenannte Schlachttieruntersuchung des lebenden Tieres durch. Danach folgt eine weitere Untersuchung (Fleischuntersuchung) des geschlachteten Tieres durch amtliches Personal der zuständigen Behörde. Die Fleischuntersuchung dient der Feststellung, ob das Tier oder Teile davon für den menschlichen Genuss geeignet sind.

Eine rechtliche Ausnahme ist die Notschlachtung. Diese betrifft ein ansonsten gesundes Tier, welches aufgrund eines Unfalls entstandener Verletzung (z.B. Knochenbruch; Riss von Muskulatur, Sehne; große, offene oder stark blutende Wunde) aus Gründen des Tierschutzes nicht lebend zu einem Schlachtbetrieb transportiert werden darf. In diesem Fall ist eine Notschlachtung des Tieres unter Einhaltung der rechtlichen Vorgaben auf dem landwirtschaftlichen Betrieb möglich.

Vor der Durchführung der Notschlachtung des Tieres muss ein Tierarzt hinzugezogen werden. Dieser untersucht das Tier, stellt den Grund für die Notschlachtung in Form einer tierärztlichen Diagnose fest, und dokumentiert diese sowie die tierbezogenen Daten in einem Begleitschreiben.

Nach der Notschlachtung des Tieres wird dieses zusammen mit den erforderlichen Unterlagen  zu einem Schlachtbetrieb transportiert. Dort überprüft die zuständige Behörde die Unterlagen sowie die Identität des Tieres. Der Schlachtkörper des Tieres wird nach der sogenannten Herrichtung wie alle anderen geschlachteten Tiere einer Fleischuntersuchung durch amtliches Personal der zuständigen Behörde unterzogen. Diese stellt die Genusstauglichkeit für den menschlichen Verzehr fest. Schlachtkörper von Tieren, die als nicht genusstauglich beurteilt werden, werden verworfen und nicht als Lebensmittel in Verkehr gebracht.

Die Durchführung einer Notschlachtung auf dem landwirtschaftlichen Betrieb eröffnet die Möglichkeit, ein ansonsten gesundes Tier welches einen Unfall erlitten hat und aus Gründen des Tierschutzes nicht mehr transportiert werden darf, unter Einhaltung aller fleischhygienerechtlichen Anforderungen als Lebensmittel zu gewinnen.  

Rechtliche Regelung:

Verordnung (EG) Nr. 853/2004

Tierische Lebensmittel-Hygieneverordnung

Verordnung (EG) Nr. 1/2005

Verordnung (EG) Nr. 1099/2009