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Nachhaltigkeit | „Mit Dialog verbessern wir die Welt“

Es ist nicht so, dass ein Konzernchef sein Business ausschließlich vom Schreibtisch aus führt. Vions CEO Francis Kint ist ein Mann, der wissen möchte, was in dem von ihm geleiteten Unternehmen wie produziert wird. Dafür geht er raus in die Landwirtschaft, schaut bei Bauern vorbei, informiert sich über die Aufzucht von Schweinen und Rindern oder überrascht die eigenen Mitarbeiter, wenn er plötzlich ein Werk besichtigt und Verbesserungsvorschläge macht. Der 54-Jährige wird sich von dem Gedanken angetrieben, Ökonomie und Ökologie in Einklang zu bringen, um die Ressourcen der Welt zu schonen. Ein Interview zum Thema Nachhaltigkeit mit dem Vion CEO Francis Kint.

Vion hat als erstes führendes Unternehmen der Fleischbranche in Deutschland einen CSR-Report herausgegeben. Was können Landwirte aus dieser Dokumentation herauslesen?

Früher haben sich die Unternehmen ausschließlich um Finanzen und Shareholder Value gekümmert. Das ist heute anders, wir bei Vion nehmen die Umwelt und die Gesellschaft viel stärker in den Blick. Deshalb bin ich mir sicher, dass ein Landwirt sofort die Relevanz dieses Berichts erkennt, wenn er ihn liest. Wir behandeln darin viele Themen, die sowohl die Fleischindustrie als auch die Landwirtschaft betreffen. Für Vion ist der CSR-Report ein sichtbarer Beleg für die Anstrengungen, die das Unternehmen auf allen Gebieten der schonenden und nachhaltigen Produktion leistet. Er beinhaltet unsere Nachhaltigkeitsstrategie und bündelt Vions Themen und Ideen. Wobei wir in unserem ersten Bericht bescheiden auftreten und zunächst einmal sagen, was unsere Meinung zu bestimmten Themen ist.

Welche Themen hat Vion beim ersten CSR-Report in den Fokus genommen?

Wir dokumentieren Daten auf der Basis von Informationen, die uns zur Verfügung stehen, u. a. die Top-3-Themen Lebensmittelsicherheit, Transparenz und Tierschutz. Diese Themen haben wir identifiziert und sie nach zwei Kriterien eingeordnet: Wie relevant sind sie für unsere Industrie und in welcher Größenordnung kann Vion sie beeinflussen? Als Fleischproduzent tragen wir eine große gesellschaftliche Verantwortung in einer Welt, die zurzeit das Eineinhalbfache ihrer Ressourcen verbraucht. Wir sind uns bewusst, dass wir nicht nur in Kostenstrukturen denken dürfen, sondern uns der Herausforderung stellen müssen, die natürliche Begrenztheit der Welt zu respektieren. Wenn wir diese Ziele aufschreiben und verfolgen und sie Zug um Zug umsetzen, werden die Landwirte als Erste jeden Tag sehen, wie eine bessere Umwelt ihnen nutzt.

Würden Sie unter den gerade genannten Aspekten auch Landwirten empfehlen, einen CSR-Bericht für ihren Betrieb zu veröffentlichen?

Ich denke, für einen einzelnen Landwirt und seinen Betrieb ist das zu anspruchsvoll. CSR-Berichte sollten große Unternehmen wie Vion herausgeben. Aber vielleicht ist es für Erzeugergenossenschaften in Zukunft wichtig, aufzuschreiben, welche Produktionsansprüche sie haben, was sie für Tierschutz, Tiergesundheit und die Umwelt tun oder wie sie mit den Ressourcen umgehen. Jedes produzierende Unternehmen muss die Ansprüche der Gesellschaft und seiner Branche im Fokus haben.

Mit der Transparenzinitiative hat Vion wenige Monate vor Erscheinen des CSR-Berichts seine Offenheit dokumentiert und stellt auch Schlachtdatenbefunde von Landwirten anonymisiert ins Internet. Schadet das dem Unternehmen nicht?

Wenn ich den Anspruch habe, transparent zu sein, muss ich auch sagen können: Ich bin heute nicht perfekt. Und: Ich versuche, mich zu verbessern, ich muss besser werden. Wenn ich in den Dialog mit meinen Kritikern gehe, komme ich doch automatisch in eine positive Diskussion. Vion kann nicht allein etwas tun, sondern wir müssen gemeinsam an Verbesserungen arbeiten. Das ist die Botschaft, die wir gern auch an die Landwirtschaft aussenden. Die gleiche Diskussion wird aktuell über den Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht geführt. Das Thema liegt seit Jahren auf dem Tisch und es ist gelungen, den Einsatz von Antibiotika wesentlich zu reduzieren. Solche Ergebnisse wünsche ich mir auch bei den Schlachtbefunden: dass wir Schritt für Schritt vorankommen.

Mit seinen Initiativen zu mehr Transparenz und gesellschaftlicher Verantwortung liefert Vion vielen Kritikern der gesamten Branche zusätzliche Einblicke und auch Argumente gegen Fleischwirtschaft und Landwirtschaft. Ist das nicht ein riskanter Weg?

100 Millionen Menschen auf der Welt essen jeden Tag etwas „mit Vion inside“. Das ist nicht nur ein Kompliment für unseren wirtschaftlichen Erfolg, sondern auch eine Aufforderung, uns der gesellschaftlichen Verantwortung zu stellen. Mit Dialog verbessern wir die Welt. Also wünsche ich mir, dass auch unsere Kritiker mit Vion in den Diskurs gehen. Und das tun sie! Das zeigen allein 110.000 Besucher auf unserer neuen Transparenz-Website in den ersten elf Monaten. Ich bin davon überzeugt, dass es uns gelingt, viele strittige Themen zu versachlichen.

Was kann die Landwirtschaft tun?

Die Landwirtschaft hat in den zurückliegenden 70 Jahren ihre Effizienz enorm gesteigert. In Deutschland muss niemand hungern. Nun ist es an der Zeit, mit der Zeit zu gehen und an Lösungen zu arbeiten. Transparenz und Offenheit sind gefragt, da gibt es schon viele Initiativen, aber noch nicht genug. Ich kann mir gut einen Tag der Transparenz vorstellen, an dem die Bauern ihre Höfe öffnen und Einblick gewähren. So etwas macht der größte Lebensmitteleinzelhändler Albert Heijn in Holland einmal im Jahr mit großem Erfolg und 150.000 Besuchern. So etwas wirkt – nach innen und außen. Ich kann mir so einen Transparenztag auch im Zusammenspiel von Vion und der Landwirtschaft vorstellen.

Im CSR-Bericht lassen Sie auch Protagonisten von NGOs und Gewerkschaften zu Wort kommen. Ist das nicht Greenwashing?

Nein. Zunächst einmal haben wir auf die Aussagen unserer Gastautoren keinen Einfluss genommen. Wir möchten aber mit den Entscheidern von Organisationen wie NGG, foodwatch oder Tierschutzbund im Kontakt sein, um uns zu verbessern. Ich bin sicher, dass wir über eine konstruktive Gesprächsebene eine Weiterentwicklung hin zu nachhaltigen Produktionsmethoden auf allen Ebenen erreichen können. Es hilft doch keinem weiter, wenn immer laut „Skandal, Skandal“ gerufen wird. Wir schätzen relevante Meinungen und kritische wissenschaftliche Ansätze, die von außen kommen. Das nützt Vion.